Vorlage

Zum vierten Mal Nachwuchs bei den Bairdstapiren

Am 13.09.2009 kam im Wuppertaler Zoo ein Bairds-Tapir auf die Welt, Bonita - ein Mädchen. Dies ist eine weiterer grosser Zuchterfolg für Wuppertal, denn der Wuppertaler Zoo ist der einzige Zoo in Europa der diese Tapirart mit Erfolg züchtet. Bonita ist nun schon seid 1996 das vierte Jungtier. Ihre Mutter Susanna wurde ebenfalls in Wuppertal geboren und Bonita ist ihr zweites Jungtier. Vorher bekam sie Chico, der mittlerweile nach Berlin umgezogen ist. Tanya, der älteste Tapir in Europa (sie ist mittlerweile stolze 29!) ist die Mutter von Susanna und hatte auch noch ein Jungtier - Moli, der mittlerweile in Cottbus lebt. Erwähnen sollte man noch ihren Vater Jasper und Tonka.

Bei der Geburt wog Bonita 11 kg und hat nun ein stolzes Gewicht von 23 kg erreicht. Sie nimmt also tagtäglich fast 500 g zu. Ihre Mutter Susanna hat auch mehr als genug Milch für die Kleine. Tapire säugen nur im liegen, wenn die Jungtiere Hunger haben, dann stossen sie ihre Mutter an, die sich dann auch die Seite legt und das Jungtier kann sich bequem daneben legen und in Ruhe trinken - die Mutter schnarcht, denn sie schläft ein und das Jungtier schmatzt - allen geht es prima! Auch fängt Bonita schon an, festes Futter zu nehmen: kleine Scheiben Bananen, Äpfel - alles was weich ist und süss. Manchmal sieht es sehr ruppig aus, wie die Mutter mit ihrem Jungtier umgeht, das ist aber alles normal und gehört zur Erziehung. Bonita ist ein ganz aufgewecktes, neugieriges Jungtier. Sie wird sicherlich eines Lieblinge im Wuppertaler Zoo.

 

Tierpflegerin Bianca Todorovic mit Tapirmädchen Bonita

Mittelamerikanischer Tapir

Tapirus Bairdii

links: adultes Männchen

mitte: adultes Weibchen

rechts: Jungtier

Berschreibung:

Der Bairds-Tapir ist der grösste der Tapire. Seine Körperlänge beträgt zwischen 190 – 210 cm und sein Gewicht kann bis zu 300 kg betragen. Er ist wie alle Tapire kurzsichtig, verfügt aber über einen ausgezeichneten Geruchs- und Hörsinn. Bairds-Tapire sind meist bräunlich oder grau, mit hellen, fast weissen Stellen an der Kehle und den Wangen. Die Ohrenränder sind auch weiss. Auch kommen weisse Lippenränder vor und an den Hufen kann man helle Ränder oder Flecken erkennen. Der Bairds-Tapir hat ein schütteres Fell, und seine dunkle Haut kann die Sonne sehr gut reflektieren. Sein Körper wirkt plump, mit stämmigen Beinen. Das besondere Merkmal ist wie bei allen Tapiren die lange Nase und die Anzahl der Zehen. Vorne hat der Tapir vier Zehen und hinten drei Zehen. Seine Nase ist rüsselartig, dient aber nicht als Greifwerkzeug. Auch wenn die Tapire sehr genügsam und ruhig wirken, sind es wahre Energiebündel und können sehr schnell sein. Geschlechtsunterschiede – ausser im Genitalsystem- gibt es nicht. Auch beim Bairds-Tapir sind die Jungtiere in den ersten sechs Lebensmonaten längsgepunktet und gestreift. Dieses Jugendkleid dient zur Tarnung. Dieses Jugendkleid verblasst im Laufe der ersten sechs Monate, Reste können aber noch wesentlich länger zu sehen sein. Sein Körperbau ist ideal angepasst an das Leben an Land und im Wasser. Tapire haben sich seid etlichen Jahrmillionen im Körperbau nicht verändert. Sein kräftiger Körper, die zähe Haut, den kräftigen Beinen und dem langen, tiefgehaltenen Kopf ist er ebenso sehr gut angepasst an das Leben im Unterholz. Auch schützt ihn seine dicke Haut, besonders am Nacken, vor Angriffen von Raubtieren. Wobei der Tapir sehr schnell sich ins Wasser flüchtet, beziehungsweise sich sehr gut wehren kann. Ein Raubtier wird selten einen erwachsenen Tapir angreifen.

     

Verbreitung/Lebensweise:

Der Bairds-Tapir kommt zwischen Süd-Mexiko bis zum Golf von Guayaquil vor. Das bedeutet aber nicht, das er auf der ganzen Fläche vorkommt. Er hat sich immer mehr zurückgezogen in die schwer zugänglichen Gebiete. In manchen Gebieten, wie z.B. in El Salvador ist der Bairds-Tapir schon ganz ausgestorben. Und auch in vielen anderen Gebieten ist sein Überleben sehr fraglich, da sein Lebensraum immer mehr zerstört wird. Es gibt immer weniger zusammenhängende Gebiete in die sich der Tapir zurückziehen kann, es bleiben oft nur kleine Reste übrig, die den Tapiren zu klein sind, denn sie sind Einzelgänger und brauchen jeder ein eigenes Revier. Diese Bedrohung resultiert überall aus der Bejagung, Abholzung und der Kolonisierung. Bairds-Tapire halten sich in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit auf, bis in zu Höhen von 3600 Metern über dem Meer. Man findet sie in Sümpfen, Magroven, Feuchtgebieten, Feuchtregenwäldern, Monsumwälder, Nebelwäldern und sogar in Regionen oberhalb der Baumgrenze. Sie halten sich nicht zwangsläufig in Wasserreichen Regionen auf. Tapire halten sich tagsüber in Deckung auf und treten inder der Dämmerung zum Fressen raus. Dabei entstehen regelrechte Wege, welche sie immer wieder benutzen. Bairds-Tapire sind Einzelgänger und sind nur in der Paarungszeit zusammen. Nach der Paarung trennen sich die Tiere und das Weibchen kümmert sich allein um den Nachwuchs. Tapire verständigen sich über diverse Laute, es klingt wie Pfiffe bis hin zum Schnalzen. So hält das Weibchen Kontakt zum Jungtier und so werden auch fremde Tapire vom Revier ferngehalten. Über Revierkämpfe ist bislang nichts bekannt.

       

Ernährung:

Der Bairds-Tapir ernährt sich von diversen Pflanzenteilen, wie Blätter, Knospen, Rinde, von Gräsern und von Obst. Entweder von Fallobst oder aber er ist auch sehr geschickt darin sich Obst zu besorgen. Der Tapir kann nicht klettern, es wurde aber mehrfach beobachtet, das ein Tapir den Baum schüttelt, um an das Obst zu kommen. Das wiederum spricht für seinen guten Geruchssinn. Er kann reife Früchte riechen. Tapire spielen eine wichtige Rolle in der Gestaltung ihres Ökosystems, durch ihre Rolle als Samenverbreiter. Sie verteilen die aufgenommenen Samen weit in ihren Gebieten und sorgen so für eine gesunde Zusammensetzung der Pflanzenwelt. Auch nehmen Tapire in regelmässigen Abständen Giftpflanzen auf, ohne das sie spezielle Anpassungen dafür besitzen. Sie scheinen zu wissen, wieviel sie von den Giftpflanzen aufnehmen können, ohne das es ihnen schadet.

       

Fortpflanzung:

Im Alter zwischen 2-4 Jahren wird ein Tapir geschlechtsreif. Einmal im Monat ist das Weibchen für ca. 24 – 60 Stunden Empfängnisbereit, in dieser Zeit duldet sie ein Männchen. Die Paarung dauert zwischen 4 – 20 Minuten und kann an Land oder im Wasser erfolgen. Innerhalb der Empfängnisbereitschaft verpaaren sie die Tiere mehrmals. Nach ca. 405 Tagen bringt das Weibchen 1 Jungtier zur Welt. Dieses Jungtier hat das typische Haarkleid, längsgepunktet und gestreift. Dieses Haarkleid verblasst mit 6 Monaten. Das Jungtier wird 4 – 12 Monate von der Mutter gesäugt, das hängt davon ab, ob das Weibchen wieder trächtig ist. Unklar ist, wann und warum die Jungtiere verjagt werden. Es gibt Jungtiere die bleiben bei der Mutter, obwohl sie schon wieder ein neues Jungtier führt, andere Jungtiere werden kurz vor der Geburt des neuen Jungtieres verjagd.